Kapitel 2 – Zitronen-Überraschung

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Am nächsten Morgen parkte Moritz den weißen Transporter, den wir uns für diesen Tag ausgeliehen hatten, auf dem Messegelände. Hinter den drei großen Hallen waren die Ausstellerparkplätze so eingeteilt, dass wir nur ein paar Schritte zur Tür mit der großen Aufschrift “Für Aussteller” zu überwinden hatten.

“Toll, ich wollte schon immer mal durch die Künstler-Türe rein!” Gitte freute sich ein Loch in die den Bauch, während wir unsere Paletten mit den bunten Cupcakes, den duftenden Muffins und anderen süßen Köstlichkeiten auf einen Handwagen verluden.

“Und das wollt ihr wirklich alles nur ausstellen?” Moritz leckte sich genießerisch die Lippen und machten Anstalten sich an den süßen Naschereien vergreifen zu wollen.

“Nichts anfassen!” Ich boxte ihn spielerisch in die Seite, wohl wissend, dass er nur Quatsch mit uns machte. Niemals hätte er sich ohne zu Fragen an unseren Backwaren vergriffen. Das war jedenfalls das, was er mit Unschuldsmiene immer wieder behauptete, wenn er allein im Kaffee war. Andererseits konnte ich ihm das Gegenteil aber auch nicht nachweisen: Moritz konnte essen was er wollte und nahm kein Gramm zu.  Mit seinen blonden, verstrubelten Haaren sah er auch heute zum Anbeißen aus. Aber das verriet ich ihm natürlich nicht. Genausowenig wie ich ihm noch niemals gesagt hatte, dass ich jedesmal Herzklopfen bekam, wenn er um die Ecke bog und mir sein unnachahmliches Lächeln schenkte.

Moritz studierte an der hiesigen Universität und obwohl er es nicht darauf anlegte, umschwirrte ihn meistens ein ganzer Pulk von Verehrerinnen. Ich vergaß immer wieder, was genau er studierte. Aber es hatte viel mit Informatik zu tun und seit neustem spielte Medizin ebenfalls noch eine große Rolle. Jedenfalls war es ein Studiengang, in dem man klischeehafterweise eher die bebrillten Nerds erwartet hätte, als gutaussehende, blond-verwuschelte Surfer-Typen. Trotzdem bescherte uns seine bloße Anwesenheit Extra-Umsatz an den wenigen Samstagen, an denen er uns im Kaffee aushalf. Der Latte Macchiato und Cappuccino Verbrauch in seiner Schicht stieg in luftige Höhe und sämtliche Tische und Stühle wurden von Studentinnen belagert, die mit dem festen Vorsatz zu Lernen ins Kaffee kamen.

“Hey Brüderchen,”

Gitte lud einen Stapel Schokoladen-Vanille Cookies aus dem Laster und steckte Moritz gönnerhaft einen der Knusperkekse in den Mund.

“Ich glaube auf einen von diesen hier können wir verzichten!”

Moritz verschluckte sich fast an dem großen Keks, hustete und lachte gleichzeitig und spukte schließlich ein paar Krümel vor das Auto.

“Mhm… da habt ihr ja tief in die Experimentierkiste gegriffen!” sagte er immer noch lachend und lud weitere Kisten auf unseren Rollwagen, während er den Rest des Cookies mit den weißen Schokoladenraspeln darauf vorsichtig zerkaute.

“Wie meinst du das?” Die Cookies waren nach einem ganz neuen Rezept von mir gebacken. Ich hatte es erst in dieser Woche zur Perfektion gebracht und sie zur Premiere mit auf die Messe genommen. Cookies gehörten normalerweise nicht in unser Repertoire.  Gitte und ich fanden “Kekse” viel zu normal. In der Tat war das Rezept keine allzugroße Herausforderung gewesen. Das Ergebnis fand ich trotzdem extrem schmackhaft, da durfte selbst Moritz mit den Glitzeraugen nicht darüber meckern.

“Naja, ich mag Schokoladen-Cookies eigentlich ganz gerne. Aber hier ist  so viel Zitrone drin, das ist nicht mein Geschmack.” Jetzt bemerkte ich auch den etwas verkniffenen Zug um seinen Mund.

“Zitrone??” echote ich. Gitte und ich schauten uns mit großen Augen an. Die Cookies sollten nach Vanille und Schokolade schmecken. Aber ganz gewiss nicht nach Zitrone.

“Ja, ganz eindeutig Zitrone.” wiederholte Moritz. “So verschlafen bin ich auch wieder nicht, dass ich das nicht heraus schmecke.”

“Wir glauben dir ja. Aber da gehört doch nur ein Hauch von Zitrone rein?” wunderte sich Gitte, als sie sich ebenfalls einen der Cookies nahm und mich fragend ansah. Ich verkniff mir eine Antwort und zermaterte mir das Gehirn darüber, wo dieser Zitronengeschmack wohl herkommen mochte. Denn eigentlich, wenn man es genau nahm, gehörte gar keine Zitrone in diese Kekse!

Während sie noch abbiss, kamen Erinnerungsfetzen in mir hoch. Konnte es sein, dass ich vielleicht ein paar Zutaten verwechselt hatte? Womöglich waren mir ein bisschen zu viel Zitronenabrieb und etwas zu wenig Kakao in den Teig gerutscht. Eventuell hatte ich den Kakao sogar ganz vergessen? Ich versuchte mich einen Moment länger daran zu erinnern, dass ich Kakao verührt hatte, fand das passende Bild in meinem Kopf aber nicht. Ich griff nun selbst nach einem der Kekse und drehte ihn prüfend zwischen meinen Fingern erst auf die eine, dann auf die andere Seite. Er war verdächtig hell.

“Bäähhh!” machte Gitte. Ihrem verzogenen Gesicht nach war eine ganze Menge Zitrone zu viel in den Cookies. Nicht nur “ein kleines bisschen”.

“Die schmecken überhaupt gar nicht nach Schokolade!” Gitte hatte sichtlich Mühe den Keksteig in ihrem Mund hinunter zu schlucken.  “Wir können sie entweder direkt im Auto lassen oder wir sagen, das gehört so. Es schmeckt ein bisschen wie diese französischen Bonbons. Ihr wisst schon… diese…. ach, ich hab schon wieder den Namen vergessen!”

Sie überlegte kurz, während ich prüfend in den Cookie hinein biss. Eigentlich war das ein absolutes No-Go. Nach einer ganzen Nacht, in der ich ausschließlich mit süßen Zutaten gearbeitet hatte, hätte ich jetzt einiges für ein deftiges Frühstück mit Speck und Eiern gegeben. Jetzt noch mehr Zucker auf die ohnehin schon völlig übersüßten Geschmacksnerven zu geben, wiederstrebte mir in diesem Moment völlig. Ich eignete mich in diesem Zustand überhaupt nicht um leichte Geschmacksunregelmässigkeiten zu erkennen. Trotzdem nahm ich einen beherzten Biss von dem knusprigen Keks und drehte die Portion kauend auf der Zunge hin und her.

Die „leichten Unregelmässigkeiten“ entpuppten sich als totaler Fehlschlag. In meinem Mund entfaltete sich eine süßsaure Geschmacksexplosion, die mich fast ausspucken lies. Kein Zweifel: Moritz hatte recht. Irgendwas war das schief gelaufen. Mit verkniffenen Mienen kauten wir vor uns hin.

“Ist doch nicht so schlimm.” riss uns Moritz aus unseren Gedanken. “Man kann die Dinger ja trotzdem noch essen!” er grinste mich an, packte den Griff des Handkarrens und ging auf die große, blau gestrichene Messehalle zu. “Lasst uns jetzt einfach mal rein gehen. Wenn wir noch pünktlich zur Eröffnung aufbauen wollen, dann sollten wir jetzt mal ein bisschen Gas geben!”

Erst jetzt bemerkte ich, dass wir nicht die einzigen waren, die hier ihre Waren ausluden.  Der Parkplatz war inzwischen rappelvoll. Autos mit und ohne Anhänger und kleine Lieferwägen stauten sich durch die Reihen der parkenden Fahrzeuge. Viele Autos hielten einfach irgendwo an, möglichst nahe an den Eingangstüren und sogar unser Transporter war auf einer Seite zugeparkt worden, ohne dass wir es mitbekommen hatten. Wahre Menschenmengen rollten voll beladen über den Platz und verschwanden in der Messehalle. Ich fragte mich, wie riesengroß das Gebäude von innen wohl sein mochte, dass all diese Leute darin Platz finden würden?

“Ja, dann gehen wir wohl mal rein!” Ich packte unseren vollbeladenen, klappbaren Transportwagen am Griff, während Moritz den großen Sackkarren schon vor mir her zog. Gitte packte den Bollerwagen, dessen Inhalt so hoch gestapelt war, dass er bei jedem Schritt hin- und herschwankte.

Schnell spukte ich den letzten Rest Zitronenkeks aus, als ich mich unbeobachtet fühlte. Immer noch wühlte ich in meinem Gedächtnis nach Resten von Erinnerungsfetzen der letzten, durchwachten Nacht in der Backstube. Hoffentlich hatten wir nicht aus Versehen noch andere Zutaten verwechselt!

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Kapitel 1 – Chaos in der Backstube

Vom Anfang lesen: Prolog

In unserer kleinen Backstube sah es aus, als wäre ein mittelgroßer Tornado hindurch gefegt. Über Nacht hatten meine Freundin Gitte und ich ein riesengroßes Chaos angerichtet. Nun standen und lagen überall Backformen und Bleche herum, es roch nach Zimt und Vanille und auf der Anrichte waren überall kleine Pfützen von Himbeer- und Heidelbeersauce verteilt. Die Arbeitsfläche war durchgehend mit einem leichten Überzug aus Mehl bedeckt und wir selbst sahen aus, wie Zuckerbäcker, die sich einmal durch all ihre eigenen Zutaten gewälzt hatten.

“Du siehst aus wie ein kleines Marzipanschweinchen!” grinste ich, während Gitte das letzte Blech Vanille-Lavendel Muffins aus dem Ofen holte. Sie hatte direkt auf ihrem Hinterteil einen riesengroßen, himbeerroten Fleck, der hübsch vor sich hin glitzert. Sie hatte sich, direkt nachdem sie ein halbes Pfund Himbeeren in Matsche verwandelt hatte, vor Schreck in eine vorbereitete Zimt und Zucker Mischung hinein gesetzt hatte.

“Hä?” Mit dem heißen Muffinblech in der Hand drehte sich meine Freundin zu mir herum. “Was hast du gesagt?” Dabei stieß sie an die Abkühlablage auf der Arbeitsplatte. Die begann gefährlich zu rotieren und knallte an eine kleine Glasschüssel, die mit Zuckerhagel gefüllt war. Gleich daneben standen fertige, in Schokolade getauchte Heidelbeerschaum-Pralinen, die darauf warteten, dass ihre Glasur fest wurde. Mit einem Hechtsprung nach vorne konnte ich gerade noch so verhindern, dass die Eigendynamik der Backutensilien den Pralinen Flügel verlieh. Das Zuckerschälchen bekam ich allerdings nicht mehr zu fassen. Es zerschellte in tausend Scherben auf dem Boden.

“Oh!” machte Gitte verdutzt. “So, ein Mist!”

“Ich hol den Besen!” seufzte ich. “Kannst du inzwischen das Frosting für die Erdbeer Cupcakes fertig rühren?”

Gitte passierten ständig solche Sachen. Es verging kaum ein Tag bei uns im Kaffee, an dem sie sich nicht aus Versehen irgendwo hinein setzte, etwas aus Versehen hinunter fallen ließ oder sich den Fuß an einem Schrank anschlug. Einmal hatte sie einen frischen Latte Macchiato quer über die Ladentheke verschüttet, genau auf die Anzunghose des Kunden. Bis heute war nicht ganz klar, wie sie das geschafft hatte, denn es gab keine Stolperfallen auf dem Boden, über die sie hätte fallen können. Jedenfalls hatte ich an diesem Punkt beschlossen, dass es für Gitte besser war, wenn sie erstmal mehr in der Backstube und weniger am Kundentresen arbeitete. Wir konnten es uns nicht leisten, die wenigen Gäste, die unsere kleinen Törtchen, Cupcakes und den Bio-Kaffee aus der Barista-Maschine genießen wollten, auch noch durch Missgeschicke dieser Art zu vergraulen.

Dafür war Gitte sehr zuverlässig. Meistens jedenfalls. Vor allem bei den Dingen, die ihr Spaß machten. Wenn es ums Backen ging jedenfalls, konnte ich zu 100 Prozent auf sie zählen. Wer sonst hätte sich mit mir eine ganze Nacht in diese Backstube gestellt, nur um dutzende Kreationen von süßem Backwerk fertig zu kriegen? Und außerdem war sie natürlich meine allerbeste Freundin und Partnerin in unserem kleinen CupCake Café.

Jetzt versuchte Gitte, ihren Hintern sauber zu bekommen. Das sah sehr lustig aus, denn sie drehte sich im Kreis wie Nachbars Katze, wenn sie ihren eigenen Schwanz jagte. Ich lies mich mitsamt meinem Besen auf einen Hocker fallen und sah ihr müden dabei zu, wie sich bemühte die Himbeersoße abzuwischen. Seit 2 Uhr früh kneteten, rührten und backten wir alle möglichen kleinen Köstlichkeiten. Mein Rücken schmerzte, meine Augen brannten und so wie ich meine Freundin kannte, war diese erneute Schusselei ebenfalls ein Zeichen dafür, dass sie einfach müde und erschöpft war. Und trotzdem wollten und mussten wir jetzt noch mal alle Energie zusammen nehmen.

Während ich den Boden von den klebrigen und süßen Zutaten reinigte, ließ ich die vergangenen Wochen noch einmal Revue passieren. Mein übermüdetes Gehirn konnte es eigentlich noch gar nicht fassen, ich fühlte mich ein bisschen wie in einem Traum, aber der rote Kringel auf unserem Kalender wusste es besser: heute war tatsächlich das magische Datum. Unser großer Tag!

Ich hatte mich getraut, einen Messestand auf der “Sweet Bakery” zu buchen. Die “Sweet-Bakery” war eine Fachmesse für Kuchen- und Tortenbäcker. Alles was Rang und Namen in der Branche hatte, fand sich hier ein um die neusten Kreationen der selbstgemachten Süßspeisen zu präsentieren. Und natürlich kamen auch jede Menge kleinere Kuchenbäcker, die versuchten sich ebenfalls mit ihren Köstlichkeiten einen Namen zu machen und neue Kunden zu gewinnen.

Die Messe fand alle zwei Jahre in immer wechselnden Städten statt. Dieses Jahr war sie zu Besuch in unserer Heimatstadt und weil die Ausrede der Anfahrts- und Übernachtungskosten damit komplett weg gefallen war, hatten Gitte und ich zugegriffen. Ich hatte monatelang unsere Bücher gewälzt, Kosten berechnet und Vor- und Nachteile aufgewogen. Gitte hatte mir immer mal wieder interessiert über die Schulter geschaut und recherchiert, wer sonst noch unter den Ausstellern sein würde. Wir wussten inzwischen ziemlich genau, wen wir auf der Messen treffen würden und wo wir unseren Namen gerne platzieren wollten. Der einzige wirklich große Haken an der Sache war nur, dass selbst die minikleinsten Ausstellungsflächen fast ein halbes Vermögen kosteten. Jedenfalls aus der Sicht unserer Buchhaltung. Ich hatte zig Nächte mit pochendem Herzen wachgelegen und darüber nachgedacht, ob wir uns das leisten sollten. Und wer würde in dieser Zeit das Café aufmachen? Oder sollte es an diesem Tag geschlossen bleiben?

Zumindest diese Frage konnte ich mit einem ganz klaren “Nein” beantworten. Wir hatten in diesem Monat weniger Umsatz gemacht als sonst. Das kam vor allem daher, dass nur zwei Häuser weiter vor kurzer Zeit eine neue Bäckereikette ihre Filiale eröffnet hatte. Der Marktplatz unserer Stadt war groß und bot viel Platz für das Aufstellen von Stühlen und Tischen unter großflächigen Sonnenschirmen. Die neue Bäckereifiliale hatte aus diesem Grund ihr bisheriges Konzept geändert und bot nun zu unserem Leidwesen nicht nur Brot und Brötchen und die üblichen Süßbackwaren an – nein, es gab ein “erweitertes” Sortiment mit kleinen Törtchen, Cupcakes und Muffins. Nur eben viel günstiger als bei uns. Dadurch blieben unsere hübschen Holztischchen öfters unbesetzt. Auch wenn bei uns alles Handarbeit und in Bioqualität produziert war.

“Und die größte Sauerei ist ja noch, dass die Sonntag-Nachmittags auch geöffnet haben dürfen!” schimpfte Gitte regelmäßig, wenn wir an sonnigen Sonntagen im Café standen und mit ansehen mussten, wie die Leute in die Bäckerei strömten. Auch solche, die schon öfters bei uns eingekauft hatten.

Erschwerend kam noch hinzu, dass es auf unserem Marktplatz weitere Angebote für Leute mit einem Hang zu süßen Backwaren gab.  Direkt auf der anderen Seite stand das altehrwürdige Cafe Adler, dass wohl schon seit anbeginn der Zeitrechnung dort stehen musste. Zumindest wenn man dem Besitzer Karl Sahneherz glauben mochte. Dort gab es allerlei feine Kuchen und Torten –  die meisten davon waren mit schweren Buttercreme- und Sahnefüllungen gemacht. Außerdem gab es “traditionelle Kaffeespezialitäten”, was in diesem Fall bedeutete, dass der Kaffee in Tassen oder Kännchen gereichte wurde und die Sahne in kleinen Porzellankännchen dazu gereicht wurde.

Und dann gab es noch die kleine In-Kneipe “Grünblatt”, in der die Gäste nicht nur Flammkuchen und belegte Baguettes essen konnten, sondern in der seit neustem auch einen kleine Auswahl an Rührkuchen angeboten wurde. Auf meine Nachfrage, warum Konrad, der Wirt, den Kuchen nicht bei uns einkaufen konnte, druckste er sichtlich herum.

“Weil ihr keine Schokomuffins habt!” mampfte einer seiner Stammgäste, als Konrad nicht mit der Sprache rausrücken wollte. Das stimmte zwar nicht, aber unsere Schokomuffins waren eben auch keine einfachen Muffins. Unsere Double-Choc CupCakes zeichneten sich durch eine dunkle Schokohaube mit weißen Schokostückchen darauf aus. Der kleine Kuchen darunter enthielt eine halbflüssige Schokoladenfüllung, die sich wie ein dunkler See um den Muffin herum verteilte, wenn man das Gebäck auf dem Teller mit der Gabel zerteilte. Und das war dann auch gleich der zweite Hinderungsgrund, warum Konrad unsere “Schokomuffins” nicht verkaufen konnte.

“Weisst du Sophia, eure Schokoladentörtchen kann man einfach nicht mit der Hand essen!”

Für die Gäste des “Cafe Adler” waren wir also zu jugendlich und für die Gäste des “Grünblatt” war unser Gebäck zu kompliziert. Und von den Leuten, die unsere Backwaren gerne aßen und in unser Café kamen, ging jetzt die Hälfte zum neuen Bäcker. Und genau das war der Grund, warum wir, koste es was es wolle, auf diese Messe mussten. Wir brauchten ein größeres Publikum als unsere Heimatstadt uns bieten konnte.

Prolog

Hätte mich jemand vor dem gewarnt, was in den letzten 12 Monaten mit meinem Leben passiert ist, dann hätte ich ihm ins Gesicht gelächelt und wäre einfach weitergegangen. “Was für ein Spinner!” wäre mir durch den Kopf gegangen. Oder ich hätte mich über die blühende Phantasie der betreffenden Person amüsiert. Aber niemals hielt ich für möglich, was ich in diesem Jahr erleben würde. Was mir passiert ist, ist so unfassbar unglaublich, das ihr mir vermutlich kein Wort glauben werdet. Und zu recht. Sogar wenn ich selbst darüber nachdenke kommt es mir vor, als ob ich mich in einem mittelmäßig erfolgreichen Fantasy-Kinofilm befinde. Aber ich kann euch versichern und auch beweisen, dass alles was ich euch hier aufgeschrieben habe, der Wahrheit entspricht. Jeder Teil meiner Geschichte ist genauso geschehen, wie ihr sie jetzt erleben werdet.

 

Zum Beispiel die Geschichte mit Herrn Schmonzette, der so unglaublich in Frau Sonnenstrahl verliebt ist. Und dann hat er ihr einfach einen von Juliettes “Liebe-deines-Lebens”-Macarons mit Himbeerfüllung als Geschenk vorbeigebracht. Das wäre vielleicht auch eine gute Idee gewesen, aber es gab ein paar unglücklich Zufälle, weil Herr Schmonzette die Gebrauchsanleitung nicht beachtet hat. Und dann war Frau Sonnenstrahl auf einmal in einen Dackel namens “Friedhelm” verliebt und Herr Schmonzette war so traurig, dass er beinahe vom Balkon seiner 3-Zimmer-Wohnung im ersten Stock gesprungen wäre.

 

Oder wie Tizian Aurelius Russ, gemeinhin nur als “Der Wächter” bekannt, auf einmal im Laden stand und alles in eine schwarze Rauchwolke hüllte. Ich dachte mein letztes Stündchen hätte geschlagen! Juliette konnte ihn dann mit Pfefferminzcreme vertreiben (denn die Wächter hassen Minze!) und ab da gab backten wir dann erstmal sehr viele kleine Backwaren mit minzigen Zutaten.

 

Aber bevor ich jetzt zu viele Details verrate, die alle sehr kompliziert zusammenhängen, wird es das beste sein, ihr lest einfach die komplette Geschichte von Anfang an. Dann ist vielleicht am besten zu verstehen, warum aus meinen blonden, langen Haaren zwischendurch blau-grün-rote Locken geworden sind und warum Gitte plötzlich mit einer langen Nase herum laufen musste, bis wir endlich diese eine Zutat gefunden hatte, die den Zauber der “Lüge-nicht” Kekse wieder aufheben konnte.